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Friedenspädagogik für Paare

 

Die Ergebnisse der Friedenspädagogik auf dem Gebiet Entwickeln von Streitschlichtungsprogrammen brachten wichtige Erkenntnisse für die Beziehungsarbeit.

Bevor es eskaliert oder währenddessen ist es wichtig Kommunikation, Kooperation und Deeskalations-Kompetenzen zu fördern. Störungen (TZI) in der Kommunikation und Kooperation sollte man höchste Priorität zuordnen, sonst nehmen sich die Störungen den Vorrang. Die Verbesserungen der Bedingungen von Frieden und auch die Friedenspädagogik hängen eng mit dem Thema Machtverteilung zusammen.

 

Kommunikation

Das erste zentrale Element ist die Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung, vor und während der Eskalation.

+ das Erkennen von sichtbarer eigener und fremder Körpersprache, Emotionen, Verhalten

+ das Erkennen von nur erschließbaren eigenen und fremden Interessen

+ zu erkennen, dass man Probleme lösen sollte ohne dabei die Menschen aufzu"lösen", also Respekt vor ihrem Selbstwertgefühl bzw. Einfühlungsvermögen entwickeln

 

Es ist hilfreich dem anderen fragen zu stellen. Und dem anderen mitzuteilen, warum man fragt. Eine Hilfsregel der TZI. Dann kann der Befragte leicher erkennen, dass es sich um eine echte Frage handelt, also eine Frage aufgrund echter Interessen. Die Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung ist ein mögliches allgemeines Motiv für eine Frage, die Verbesserung der Kooperation ein weiteres.

Das zweite zentrale Element ist die Verbesserung der Botschaften. Diese Erkenntnisse sollten dann auch in die eigenen Aussagen und die Interpretation der Aussagen des anderen einfließen. Hier helfen die Hilfsregeln der Themenzentrierten Interaktion (TZI) der Psychoanalytikerin Ruth Cohn weiter.

+ Hilfsregel Echtheit

Teile dem anderen authentisch und selektiv mit was Du erkannt (Selbst- und Fremdwahrnehmung) hast.

 

+ Hilfsregel "Ich-Aussagen"

Einfachen Verallgemeinerungen werden meist nur wenige Menschen zustimmen. Differenzierten Verallgemeinerungen, die den Personenkreis für den sie gültig sind, sehr genau (Genetik, Biographie, Lage, Pläne) beschreiben, werden viele Menschen zustimmen können. Siehe Subjektwissenschaft.

Sender :

Wenn man statt einer "Ich-Aussage" wie z.B. "Mir gefällt die Verhaltensweise Deiner Kinder nicht" eine "Wir- oder Man-Aussage wie z.B. "Deine Kinder sind eine Zumutung" (genauer "Deine Kinder empfindet man bzw. empfinden alle als Zumutung") formuliert, dann wird das Selbstwertgefühl des (Ego) des Empfängers verletzt. Bei der "Ich-Aussage" kann es immer noch eine potentielle Anerkennung konstruieren in der Form "Wenn es einem nicht gefällt, so kann es vielen anderen trotzdem gefallen".

Empfänger :

Der Empfänger kann dann jedoch trotzdem noch den Fehler machen die "Ich-Botschaft" in "Man-Botschaften" umzudeuten und damit sein Selbstwertgefühl selbst zu verletzen.

 

+ Hilfsregel Bedeutung hinzufügen

Bei den Fragen (siehe oben) sollte man hinzufügen, warum man fragt. Bei den Ich-Aussagen über andere sollte man hinzufügen, was einem die Eigenschaften des anderen bedeuten. Z.B. wenn sie erkannt haben, dass ein Kind seine Eltern befehligt und die Eltern das akzeptiert haben, dann ist die Bedeutung zusätzlich zur entsprechenden "Ich-Aussage" hilfreich, z.B. dass sie Mitleid mit den Eltern empfunden haben.

 

+ Hilfsregel für Gruppen

Die Gespräche zwischen den Zuhörern sind wichtig für das Verständnis. Da nur einer zur gleichen Zeit reden sollte, müssen die Zuhörer das Rederecht bekommen können.

 

Kooperation

Zentrale Verhaltensweise ist bei Abschottung nach außen die "win-win"-Strategie, bei globaler Sichtweise die Ethik bzw. der Kompromiß aller.

Die Zusammenarbeit ist umso besser, je besser die Kommunikation ist. Und hängt stark von der Vorgeschichte der Zusammenarbeit beider Partner ab. Die schwierige Friedensarbeit bei jahrelangen Kriegen belegt dies.

Umso mehr Personen beteiligt sind wie Kinder, Eltern, Geschwister, Freunde etc. umso mehr spielen gesellschaftliche Einflüsse eine Rolle. Die von der Machtelite eingeführte normierende Macht ( Prozess der Machtmaximierung durch Institutionalisierung ) zeigt sich dann darin, dass die Kooperation abnimmt und gesellschaftliche Normen bzw. auch gruppeninterne Normen der Beteiligten bestimmend werden.

 

Deeskalations-Kompetenzen

Gewalt löst nur scheinbar Probleme, in Wahrheit schafft es neue Probleme. Wenn die Gewaltschwelle bei einer Konflikteskalation überschritten worden ist, ist Kommunikation und Kooperation fast gleich null. Deswegen ist dieses Überschreiten soweit möglich zu verhindern. Das gilt nicht nur für körperliche Gewalt, sondern auch für verbale Gewalt.

Zu beachten sind die Funktionen von Gewalt :

+ Männlichkeitsbeweis

+ Kommunikationsmittel (z.B. Hilfeschrei)

+ subjektiv legitim betrachtete Gegengewalt gegen gruppeninterne Machtelite

Hier zeigt sich, dass jeder Politiker auch Sozialpädagoge sein sollte und umgekehrt.

 

Wurde die Gewaltschwelle nicht überschritten, so kann eine Versöhnung sehr schön sein, wenn man sich in die Arme nimmt. Manche Paare gehen da in ihren speziellen Versöhnungspraktiken auch bewußt etwas weiter.